Prominenz heute: berühmt, aber beschränkt?

Am Sonntag, den 07. November besuchten wir eine bemerkenswerte Ausstellung im ZKM (Zentrum für Kunst und Medientechnologie). Die skandinavischen Künstler Michael Elmgreen und Ingar Dragset stellen zur Zeit mit "Celebrity - The One & the Many" ihre erste große Ausstellung in Deutschland vor. Elmgreem und Dragset zählen seit einigen Jahren in der internationalen Kunstszene zu den innovativsten Künstlern, die mit Skulpturen, Performances und Installationen verschiedenste Verhaltens- sowie Wahrnehmungsmuster hinterfragen. Gleich bei Eintreten in die Ausstellung wurden wir mit einem vier Etagen hohen Wohnhaus konfrontiert. In dem schmucklosen Plattenbau sind durch verschiedene ganz oder teilweise einsehbare Fenster Zimmer, Menschen, Milieus zu sehen, die der Besucher mit Ferngläser von weiter oben näher betrachten kann. Bei deren Benutzung machen sich die Besucher somit automatisch zu Voyeuren und sie müssen erkennen, dass die Künstler ihnen auf diese Weise den Spiegel vorhalten.

Im zweite Lichthof des Museums fanden wir einen Saal vor, der an einen zweiten, fiktiven Saal angrenzt, in dem eine Party veranstaltet wird. Man bleibt jedoch aussen vor, die Party ist lediglich durch die Schatten auf den Milchglasscheiben der verschlossenen Türen zu erkennen. Wir, die Museumsbesucher, sind von der exklusiven Gesellschaft ausgeschlossen und hören nur den Geräuschpegel der offensichtlich vergnüglichen Party. Im zugänglichen Saal sind ausserdem nur Bedienstete (u. a. roboterähnlich ausgestattet) und ein Junge, knieend, kauernd in einem Kaminofen zu sehen. In den Installationen wurden wir somit immer wieder mit dem Gegensatz von Armut und Reichtum, Tristess und Glamour konfrontiert.

Begleitend hierzu gab es einen Vortrag am KIT (Karlsruher Institut für Technologie) von Prof. Georg Franck über die "Ökonomie der Aufmerksamkeit", in dem dieser die ökonomischen Interessen an der Celebrity-Gesellschaft aufzeigte. Prominenz sei der Adel der Mediengesellschaft, jedoch nicht die Elite. Die Elite habe besondere Leistungen auf einem bestimmten Gebiet vollbracht, um heute der Prominenz anzugehören, bedürfe es einer solchen Leistung nicht. Relevant sei nur der Bekanntheitsgrad, um die Aufmerksamkeit der Medien zu erhalten, die diesen Bekanntheitsgrad wiederum steigere. Die Medien erhöhten hierdurch ihre eigene Aufmerksamkeit in Form von Einschaltquoten, was wiederum höhere Werbeumsätze nach sich ziehe. Das alles wusste man zwar bereits, jedoch wurde es noch noch nie so konsequent ausgesprochen. Weitere Termine zu diesem Thema erfährt man auf http://www.zak.kit.edu . Auch hochinteressant: Podiumsdiskussion mit Elmgreen & Dragset im ZKM. Die abschließende Veranstaltung mit den Künstlern und Gästen findet am Donnerstag, den 27.01.2011 um 18.00 h statt.


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